in der Psychiatrie:
Wir brauchen Zahlen, wir brauchen Kohorten, wir brauchen Zusammenarbeit.

"Sie sind dann doch sicher auch dabei, im März auf Norderney. Die FoNetPsy-Tagung." - "Eh, ja?" - "Natürlich. Dann können wir uns weiter austauschen."
Derjenige, der so sicher war, dass ich nach Norderney kommen würde, war Professor Jens Wiltfang, Ordinarius an der Universität Göttingen, Leiter der Psychiatrischen Klinik in der
Universitätsmedizin. Anlass des Telefonats, in dem ungefähr diese Sätze fielen, war der Austausch zu einer Patientin. Wir hatten uns an die Göttinger gewendet, weil Profesor Wiltfang und seine
Crew führend auf dem Feld der Demenzforschung sind, und zwar auch im Bereich der Diagnostik. Und dort vor allem auf dem Gebiet der Laborparameter.
Lab
Forschung in der Psychiatrie findet seit Jahren und Jahrzehnten auch im Labor statt. Es geht um Marker im Liquor (umgangssprachlich "Hirnwasser"), im Vollblut, im Serum und in Zellen. Etwas
weiter gefasst bedeutet Labor auch Bildgebung. MRT, CCT, PET sind die drei derzeitigen Hautpgruppen. Noch weiter gefasst sind es Labore mit der Entwicklung und Untersuchung
technisch-therapeutischer Verfahren, wie der EKT, der VNS und der rTMS (unten gibt es eine Liste der Abkürzungen). Dies ist quantitative Forschung. Daraus entstehen die Sätze, die ich in den drei
Tagen FoNetPsy immer wieder gehört habe:
Wir brauchen Zahlen,
wir brauchen Kohorten,
wir brauchen Zusammenarbeit.
Zusammen tun
Eine Klinik allein, auch eine Uniklinik allein, kann nicht die Zahlen der Patienten vorweisen, die erforderlich sind, um hochwertige - "high end" - Forschung und Entwicklung auf internationalem
Niveau durchzufühen. Darum arbeiten Kliniken, Universitäten und andere Institutionen zusammen. Berichte zur Forschungen auf hohem Niveau gab es in Norderney auf der Tagung des Deutschen
Forschungsnetz für seelische Gesundheit e.V. (FoNetPsy) etliche.
Zu den besprochenen Krankheitsbildern zählten: Demenz im Allgemeinen, Alzheimer-Demenz, Schizophrenie, schwere therapie-resistente Depressionen, Sucht (Psychodelika, Alkohol), Zwänge. Die
betrachteten Therapien und Therapieformen umfassten: EKT, VNS, rTMS, integrierte Versorgung. Bei den diagnostischen Verfahren ging es um: Marker, (Epi)Genetik, MRT. Es gab außerdem Berichte zu
Surveys: Umfragen in der Bevölkerung, in Patientengruppen, in Studierendengruppen.
Ziel ist
evidence-basierte Diagnostik und Therapie für psychiatrisch erkrankte Menschen.
Netz
FoNetPsy - Deutsches Forschungsnetz für seelische Gesundheit e.V.
https://fonetpsy.com/
info@fonetpsy.com
+49 551 39666 01
Der Verein ist in dieser Form noch relativ jung. Es gibt Verbindungen zum Norddeutschen Psychiatrieverbund. Die ersten Wurzeln reichen bis in die späten 1990er Jahre. Der Aufbau der Website ist
recht weit fortgeschritten. Gehen Sie einfach mal dort spazieren. Interessant sind jetzt schon der Veranstaltungskalender und laufende Projekte. Da kommt noch mehr.
Wer war vom 19 bis 21 März 2025 dabei? Menschen aus Unikliniken und Instituten in Göttingen, Greifswald, Hamburg, Hannover, Kiel, Lübeck, Münster, Oldenburg und Bad Zwischenahn(*). Es sollen und
es werden weitere folgen. Wenn Sie sich als Klinik oder als Einzelperson beteiligen wollen, nehmen Sie gerne Kontakt zum FoNetPsy auf. Wir freuen uns auf Sie.
Christa Weßel - Sonntag, 23 März 2025
(*) Die Karl-Jaspers-Klinik ist zum einen Teil der Universitätsmedizin Oldenburg und zum anderen eine Klinik der Psychiatrischen Versorgung.
Abkürzungen
cMRT : craniale Magnetresonanztomographie (Kernspin)
cCT : craniale Computertomographie
PET : Positronen-Emissions-Tomographie
EKT : Elektrokonvulsionstherapie
VNS : Vagusnervstimulation
rTMS : repetitive Transkranielle Magnetstimulation
cranial : auf den Kopf bezogen (eine Untersuchung) / zum Kopf hin (Richtungsangabe innerhalb des Körpers)
Tag Brain Storming
Das habe ich am Morgen des dritten Tagungstages gemacht, als ich einen ersten Entwurf für diesen Eintrag skizziert habe. Um die Anzahl der tags für diesen
Blogeintrag im Rahmen zu halten, liste ich das Resultat des brain stormings hier auf: forschen, Diagnostik, invasiv, Liquor, BIldgebung, Vollblut, Serum, Kohorten, Fragebogen, verknüpfen,
Netz, Zusammenarbeit, evidence-based, surveys, Versorgungsforschung, f&e (Forschung und Entwicklung)
post scriptum
Es ist schön, dass es Menschen gibt, die die Idee zu solch inspirierenden Zusammenkünften haben und sie dann auch umsetzen und pflegen. Es erinnert mich an die
Entstehung von agilemanifesto.org (auch nachzulesen in AAL, S. 139). F&E in der
Informatik und der Medizin haben einige Ähnlichkeiten.
Blogrubrik Wandel im Gesundheitswesen
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