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Pair Programming

Christa Weßel (2018) Sparringspartner


"Ohne sie hätte es nicht funktioniert", sagte ich abends kurz nach zwanzig Uhr bei der Dienstübergabe. Sie ist eine Studentin.


In der Klinik gibt es die geniale Einrichtung der studentischen Hilfskraft in den Diensten. Sie unterstützt den Arzt*-vom-Dienst-1 (Im Haus - verantwortlich vor allem für die Neu-Aufnahmen) und den AvD-2 (Im Feld - verantwortlich für die bereits stationären Patienten). Zu den Aufgaben der studentischen Hilfskrraft zählen vor allem körperliche Untersuchungen und Dokumentation derselben, das Legen intra-venöser Zugänge (für Medikamente und/oder Flüssigkeitszufuhr) und Blutentnahmen.

Gestern brannte im Haus die Luft - bildlich gesprochen - und die Studentin unterstützte die ÄvD-1. Eine Aufnahme jagte die nächste. Die Patienten trafen gleichzeitig und überlappend ein. Es funktionierte, weil Empfang, Pflegepersonal in der Aufnahme und auf den Stationen und die "Pair Programmer" so gut zusammen arbeiteten. Wir konnten die Patienten auf die Stationen verteilen und dort aufnehmen (eine erfolgte in der Aufnahme).

Diejenige, die letztlich den Ausschlag dafür gab, dass es gut lief, war die Studentin. Drei Aspekte, warum sie so fit ist:
a) sie macht den Job seit zwei Jahren, also kennt sie das Haus und die Abläufe gut;
b) sie ist im fünften Jahr ihres Studiums, also kurz vor ihrem Abschluss;
und - der wichtigste Aspekt -
c) sie beherrscht die Mischung aus "was soll ich [als Nächstes] tun?" und eigenständigem Denken und Handeln.

Das Beste war: jedes Mal, wenn sie mit einer Aufgabe fertig war, die sie irgendwo anders im Haus erledigt hatte, rief sie an, fragte "wo bist du jetzt?" und kam dann für die nächste Runde, den nächsten Patienten.

Warum "pair programming"? Pair programming ist ein Begriff aus der Software-Entwicklung. Im pair programming arbeiten zwei Entwickler zusammen an einer Aufgabe an einem Arbeitsplatz. Beispielsweise entwickeln sie Code. Der eine schreibt und der andere kontrolliert, denkt über die Aufgabe nach, spricht Probleme und Ideen an. Die Rollen können je nach Team schnell wechseln. Gestern saßen die Studentin und ich des Öfteren nebeneinander vor dem Computerbildschirm und besprachen einen Fall oder füllten gemeinsam etwas aus, beispielsweise indem sie mir Medikamente aus einem mitgebrachten Medikamentenplan vorlas, damit ich sie zügig digital verordnen konnte.

Unser De-Briefing (Abschluss und Reflexion) nach der Übergabe an die Kollegen der Nacht bestand vor allem aus meinem Dank: "Du bist eine hervorragende Kollegin. Das war gut. Und noch mal vielen Dank, dass du sogar zweieinhalb Stunden drangehängt hast." Das hatte sie von sich aus angeboten. Statt um 18 Uhr ging sie um 20:30: "ich habe heute nichts vor."

Wow, solche Ärztinnen werden also auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dabei sein. Passt zum Welt-Frauen-Tag am 08 März.

Christa Weßel - Sonntag, 09 März 2025

(*) wieder sind unabhängig von der verwendeten Form alle Geschlechter gemeint: w, m, d.

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